WHO (Weltgesundheitsorganisation)

Der englische „Guardian“ hat aufgedeckt:

Der Vorsitzende des UN-Gremiums JMPR, das am Montag Glyphosat für unbedenklich erklärte, ist gleichzeitig Vizepräsident eines Instituts, an das Monsanto 500.000 Dollar gespendet hat.

 

 

„Die WHO“ hat ihre Meinung zur Krebsgefahr von Glyphosat nicht revidiert – Dissens zwischen WHO-Gremien bleibt weiterhin bestehen.

 

Kommentar zur Bewertung von Glyphosat durch das JMPR der WHO von Heike Moldenhauer, Glyphosat-Expertin des BUND:

 

Am Pfingstmontag hat der „Sachverständigenausschuss für Pestizidrückstände“ (JMPR) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seine neueste Bewertung des Pflanzengifts Glyphosat veröffentlicht: Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat-Rückstände im Essen Krebs verursachten.  Diese Bewertung steht im Widerspruch zum Urteil der internationalen Krebsforschungsagentur der WHO (IARC). Diese hatte Glyphosat im März 2015 attestiert, „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ zu sein.  Die Veröffentlichung am Pfingstmontag zementiert, dass sich bei der Frage nach der Unbedenklichkeit von Glyphosat bei der WHO weiterhin zwei Meinungen konträr gegenüber stehen. Der Dissens zwischen den beiden WHO-Gremien bleibt bestehen.

 

Die Einschätzung des JMPR kommt für den BUND nicht überraschend. Das Gremium hatte Glyphosat bereits 2004 und 2011 als unbedenklich eingestuft. Dabei hatten Mitarbeiter des deutschen Instituts für Risikobewertung BfR Schlüsselpositionen inne: Sie haben die Berichte geschrieben bzw. als Mitglieder der Expertengruppe Glyphosat für unbedenklich erklärt. Dieselben BfR-Mitarbeiter waren für Glyphosatbewertung auf EU-Ebene verantwortlich und sagten auch dort: keine Bedenken.

 

Wie unterscheiden sich die beiden Gremien IARC und JMPR?
Die internationale Krebsforschungsagentur IARC urteilt ausschließlich auf der Basis veröffentlichter Studien, die nicht von den Glyphosat-Herstellern selbst stammen. Sie urteilte im März 2015, Glyphosat sei wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen. Die Datenbasis des JMPR bleibt dagegen undurchsichtig. Ebenso undurchsichtig bleibt, wer die für die Bewertung hauptverantwortlichen Personen sind.

 

Das JMPR befasst sich mit der Festlegung von Rückstandshöchstgehalten von Pestiziden in Lebensmitteln. Außerdem legt es fest, wieviel eines Stoffes ein Mensch lebenslänglich jeden Tag aufnehmen kann, ohne gesundheitlichen Schaden davon zu tragen.

 

Einige Mitglieder des JMPR unterliegen starken Interessenskonflikten, arbeiten teilweise für Industrie-Thinktanks oder im Fall des BfR  in einer nationalen Behörde, die Glyphosat bewertet hat. Zwei der JMPR-Experten, Alan Boobis und Angelo Moretto, haben enge Kontakte zur Pestizidindustrie. Sie hatten Glyphosat für das JMPR bereits 2004 und 2011 für ungefährlich befunden.

 

Unbestätigten Gerüchten zufolge sind die beiden „Berichterstatter“ und „Reviewer“ für Glyphosat im JMPR und damit maßgeblich für die Einschätzung verantwortlich. Das JMPR hat auch auf mehrfache Nachfrage des BUND nicht offengelegt, wer bei der aktuellen Bewertung von Glyphosat „Berichterstatter“ und „Reviewer“ sind.

 

Pressekontakt: Heike Moldenhauer, BUND-Pestizidexpertin, Tel. 030-27586-456, Mobil: 0179-8138088 bzw. Annika Natus, BUND-Pressereferentin, Tel. 030-27586-425, E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net 

 

Skandal: Monsanto spendet 500.000 Dollar an Institut, das Glyphosat für nicht krebserregend hält

 

18. 05.2016 - Schon heute oder morgen entscheidet die EU über die weitere Zulassung des wahrscheinlich krebserregenden Pestizids Glyphosat. Erst am Montag vermeldete eine neue Studie von FAO/WHO, dass Glyphosat angeblich doch nicht krebserregend sei. Doch wie der Guardian jetzt aufdeckt, arbeitet der Vorsitzende der FAO/WHO-Arbeitsgruppe gleichzeitig für ein Institut, das von Monsanto eine 500.000$-Spende bekam. Ein Skandal!

 

Der Vorsitzende und Ko-Vorsitzende einer Arbeitsgruppe der Food and Agriculture Organization (FAO) und Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Pestiziden, die am Montag Glyphosat für unbedenklich erklärt hatte, sind nach Recherchen des britischen Guardian massiv in Interessenskonflikte verstrickt. Professor Alan Boobis, der Vorsitzende des Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues (JMPR), ist gleichzeitig Vize-Präsident des International Life Science Institute (ILSI) Europa. Nach Informationen des Guardian erhielt ILSI im Jahr 2012 eine Spende über 500.000 US Dollar von Monsanto sowie eine weitere Spende über 528.500 US Dollar von der Pestizidlobby Croplife International, in der unter anderem Monsanto, Dow und Syngenta vertreten sind. Auch ein weiteres Mitglied des JMPR, Angelo Moretto, ist Vorstandsmitglied eines Instituts das zu ILSI gehört. Moretto war Ko-Vorsitzender der entscheidenden Sitzung über Glyphosat.

 

 

 

 

Gerald Neubauer von Campact zeigt sich empört:

 

“Der Glyphosat-Freispruch von FAO/WHO war anscheinend von Monsanto mitfinanziert. Das grenzt an Korruption.”

 

Die EU müsse jetzt Konsequenzen aus dem Skandal ziehen und Glyphosat die Zulassung versagen. Außerdem fordert Neubauer Konsequenzen bei den betroffenen UN-Organisationen:

 

“FAO und WHO dürfen nicht zulassen, dass Experten mit Interessenskonflikten über die Risiken von Glyphosat urteilen. Boobis und Moretto dürfen nicht weiter für das JMPR arbeiten. Nur so können die UN-Institutionen ihre Glaubwürdigkeit wieder herstellen.”